Wochenende in Shanghai
Jetzt ist die Woche schon wieder um. Und was habe ich so gemacht?
Vorherige Woche ist meine Mitbewohnerin Alicia gekommen. Sie ist 26 Jahre alt, mit ihrem Philosophiestudium fertig und hat gerade angefangen in Frankfurt zu promovieren. Alicia kommt jeden Sommer nach Shanghai, um ein paar Wochen im gleichen Unternehmen wie ich zu arbeiten. Sie kennt sich entsprechend in der Stadt aus und spricht sogar ein bisschen Chinesisch. Wir verstehen uns gut!
Seit sie da ist, unternehme ich noch mehr nach der Arbeit. Wir sind ein paar mal shoppen gefahren und auch einmal mit Patricia weg gewesen (nicht so lange weils unter der Woche war...). Die meisten Clubs hier sind sehr stylisch. Wir waren in einem, der oben in einem Wolkenkratzer war, und der eine Fensterfront hatte, durch die man beim Tanzen über die Shanghaier Skyline gucken konnte. Sehr cool ist, dass es hier an verschiedenen Wochentagen für Mädels Gratiscocktails und freien Eintritt in vielen Clubs gibt, ich also inklusive 15 km Taxinachtfahrt keine 3 Euro bezahlt habe :-)
Dieses Wochenende bin ich mal nicht in eine benachbarte Millionenstadt gefahren, sondern (fast) nur in Shanghai geblieben. Es war auch etwas ruhiger, wahrscheinlich, weil Patricia nicht da war ;-)
Freitag Abend war ich nach der Arbeit mit meinen Kollegen Tennis spielen und dann waren wir Koreanisch essen. Das habe ich vorher noch nie probiert, ich fand es aber auch nicht so toll,denn es gab nur süße Kürbissuppe und fettiges Fleisch, das vor unseren Augen gebraten wurde und das man zusammen mit muffigen Soßen in Salatblätter eingewickelt hat.
Am Samstag bin ich wieder mit Hanna hashen gegangen, ein Riesenspaß!! Der Bus hat uns wieder aufs Land in ein Kaff gebracht. Gehalten haben wir gegenüber von einer Metallwerkstatt, in der Gehäuse zusammengeschweißt wurden. Dort wurden so ziemlich gegen alle Standards zur Sicherstellung einer effektiven und effizienten Produktion verstoßen, die ich kenne (und das sind viele). Der viele Dreck, die chaotischen Lagerhaltung und die minimale Sicherheitsausrüstung des Schweißer in Form einer kaputten Schweißmaske haben mich schon beeindruckt und ich sehe dort einen potentiellen Job ;-)^^
Wir sind dann losgelaufen. Die Route ging wieder mitten durch matschige Reisfelder, eng an Zuchtfischteichen und an armseligen Wohnhütten auf Gemüsefeldern vorbei und über die Hinterhöfe der Bauerndörfer. Wir hatten auch wieder sehr viele Zuschauer. Diesmal waren ein paar sehr gute Läufer dabei und das Wetter war sehr schwül und warm, so dass ich irgendwann nicht mehr mitgekommen bin und für den Rest die Walkerroute genommen habe. Ich habe mich sehr geärgert, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, um Fotos zu machen...
Danach wurde dann wieder was getrunken (mitten auf der "Ortsausgangsstraße"...) und wir sind in Shanghai etwas essen gefahren.
Heute (Sonntag) habe ich mir einige in meinem Reiseführer als Highlights beschriebenen Orte in Shanghai angesehen. Ich war im Shanghai Museum, in dem Tongefäße und andere Kunstgegenstände nach Material und Epoche sortiert ausgestellt waren. Dort wimmelte es (an einem Sonntag!) von Schulkindern und europäischen Touristen...das Museum war ok, vor allem, da es keinen Eintritt gekostet hat, aber man muss es nicht unbedingt gesehen haben. Interessanterweise habe ich mich dort zufällig mit ein paar australischen Rentnern unterhalten, die zwei Lehrer von meiner australischen Schule damals kennen, an die ich mich noch dunkel erinnern kann; wie klein die Welt doch ist...
Dann bin ich zum berühmten Bund gefahren. Im Moment wird an vielen Stellen in Shanghai gebaut, um die Stadt für die Weltausstellung im Mai 2010 aufzupolieren und so ist es auch am Bund. Es gibt dort eine Straße mit Kolonialbauten, die so auch in London oder Paris stehen könnten und in denen alle möglichen Banken ihre Nierderlassungen haben. Auf der anderen Straßenseite war das Ufer des Huangpu-Flusses wegen der Bauarbeiten verdeckt. Ich hab mich gefragt, was dort gebaut wird und würde auf eine hohe Mauer tippen, die das Ufer des dreckigen, stinkenden, verschmutzten Flusses versteckt, wie es sie hier überall gibt. Außerdem wird wahrscheinlich die vierspurige Straße in eine Sechspurige mit Hochstraße verbreitert und nebendran noch eine ewig lange Shoppingmall gesetzt.^^
Irgendwann bin ich dann in der Altstadt Shanghais ausgekommen. Diese besteht aus viele kleinen, engen, idyllischen Gassen, in denen Wäsche trocknet, und einem Gewusel aus Leuten. Es gab viele kleine Stände und Geschäfte, in denen man alles mögliche kaufen konnte, zum Beispiel Obst, Gemüse, gekochte Snacks, Getränke, Haushaltswaren... und ganz viele alte Leute saßen vor ihren Häusern und haben sich unterhalten. Ein Straßenzug war ein absolutes Billigeinkaufsparadies, mit Jeans und Schuhen für 7 Euro abwärts. Ich habe mir eine Tasche für 1,20 Euro gekauft.
Etwas weiter bin ich durch alte Wohngebiete gelaufen, in denen es kaum noch Verkaufsstände, dafür aber labyrinthartige, winzige Gassen (hatte mich tatsächlich eine Weile verlaufen und nicht mehr raus gefunden) und einen guten Blick in Wohnstuben, "Küchen" und "Bäder". Es gab vereinzelt ein paar schicke Plasmafernsehgeräte und Beamer, ansonsten war es sehr ärmlich. Viele Leute, vor allem ältere, saßen vor ihren Häusern und haben erzählt oder gekocht. Früher gab es in Shanghai sehr viele dieser schönen, traditionellen Viertel, doch in den letzten Jahren sind viele abgerissen worden und durch Hochhäuser und Wohntürme ersetzt worden...
Besonders lustig fand ich, dass in der Altstadt und in dem Wohnviertel einige Menschen nachmittags um vier in schicken, zweiteiligen Pyjamas herum liefen. Ab und zu sehe ich auch morgens im Carrefour Senioren in diesem Outfit, also scheint es hier wohl normal zu sein...
Dann bin ich in Richtung Wohnung aufgebrochen und bin bei der katholischen "Kathedrale" auf Empfehlung meines Reiseführers noch aus der Metro ausgestiegen. Die Kirche an sich war im Vergleich zu den berühmten Europäischen nicht so besonders. Umgeben von viel höheren Hochhäusern, von denen das Benachbate einen wahnsinnig kitschigen Tempelbau auf seinem Dach hatte, stellte sie jedoch ein äußerst paradoxes Bild dar.
Wie ihr seht habe ich heute viel erlebt und werde jetzt müde ins Bett fallen. Ich vermisse euch und das Aachener Kleinstadtleben!!
Vorherige Woche ist meine Mitbewohnerin Alicia gekommen. Sie ist 26 Jahre alt, mit ihrem Philosophiestudium fertig und hat gerade angefangen in Frankfurt zu promovieren. Alicia kommt jeden Sommer nach Shanghai, um ein paar Wochen im gleichen Unternehmen wie ich zu arbeiten. Sie kennt sich entsprechend in der Stadt aus und spricht sogar ein bisschen Chinesisch. Wir verstehen uns gut!
Seit sie da ist, unternehme ich noch mehr nach der Arbeit. Wir sind ein paar mal shoppen gefahren und auch einmal mit Patricia weg gewesen (nicht so lange weils unter der Woche war...). Die meisten Clubs hier sind sehr stylisch. Wir waren in einem, der oben in einem Wolkenkratzer war, und der eine Fensterfront hatte, durch die man beim Tanzen über die Shanghaier Skyline gucken konnte. Sehr cool ist, dass es hier an verschiedenen Wochentagen für Mädels Gratiscocktails und freien Eintritt in vielen Clubs gibt, ich also inklusive 15 km Taxinachtfahrt keine 3 Euro bezahlt habe :-)
Dieses Wochenende bin ich mal nicht in eine benachbarte Millionenstadt gefahren, sondern (fast) nur in Shanghai geblieben. Es war auch etwas ruhiger, wahrscheinlich, weil Patricia nicht da war ;-)
Freitag Abend war ich nach der Arbeit mit meinen Kollegen Tennis spielen und dann waren wir Koreanisch essen. Das habe ich vorher noch nie probiert, ich fand es aber auch nicht so toll,denn es gab nur süße Kürbissuppe und fettiges Fleisch, das vor unseren Augen gebraten wurde und das man zusammen mit muffigen Soßen in Salatblätter eingewickelt hat.
Am Samstag bin ich wieder mit Hanna hashen gegangen, ein Riesenspaß!! Der Bus hat uns wieder aufs Land in ein Kaff gebracht. Gehalten haben wir gegenüber von einer Metallwerkstatt, in der Gehäuse zusammengeschweißt wurden. Dort wurden so ziemlich gegen alle Standards zur Sicherstellung einer effektiven und effizienten Produktion verstoßen, die ich kenne (und das sind viele). Der viele Dreck, die chaotischen Lagerhaltung und die minimale Sicherheitsausrüstung des Schweißer in Form einer kaputten Schweißmaske haben mich schon beeindruckt und ich sehe dort einen potentiellen Job ;-)^^
Wir sind dann losgelaufen. Die Route ging wieder mitten durch matschige Reisfelder, eng an Zuchtfischteichen und an armseligen Wohnhütten auf Gemüsefeldern vorbei und über die Hinterhöfe der Bauerndörfer. Wir hatten auch wieder sehr viele Zuschauer. Diesmal waren ein paar sehr gute Läufer dabei und das Wetter war sehr schwül und warm, so dass ich irgendwann nicht mehr mitgekommen bin und für den Rest die Walkerroute genommen habe. Ich habe mich sehr geärgert, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, um Fotos zu machen...
Danach wurde dann wieder was getrunken (mitten auf der "Ortsausgangsstraße"...) und wir sind in Shanghai etwas essen gefahren.
Heute (Sonntag) habe ich mir einige in meinem Reiseführer als Highlights beschriebenen Orte in Shanghai angesehen. Ich war im Shanghai Museum, in dem Tongefäße und andere Kunstgegenstände nach Material und Epoche sortiert ausgestellt waren. Dort wimmelte es (an einem Sonntag!) von Schulkindern und europäischen Touristen...das Museum war ok, vor allem, da es keinen Eintritt gekostet hat, aber man muss es nicht unbedingt gesehen haben. Interessanterweise habe ich mich dort zufällig mit ein paar australischen Rentnern unterhalten, die zwei Lehrer von meiner australischen Schule damals kennen, an die ich mich noch dunkel erinnern kann; wie klein die Welt doch ist...
Dann bin ich zum berühmten Bund gefahren. Im Moment wird an vielen Stellen in Shanghai gebaut, um die Stadt für die Weltausstellung im Mai 2010 aufzupolieren und so ist es auch am Bund. Es gibt dort eine Straße mit Kolonialbauten, die so auch in London oder Paris stehen könnten und in denen alle möglichen Banken ihre Nierderlassungen haben. Auf der anderen Straßenseite war das Ufer des Huangpu-Flusses wegen der Bauarbeiten verdeckt. Ich hab mich gefragt, was dort gebaut wird und würde auf eine hohe Mauer tippen, die das Ufer des dreckigen, stinkenden, verschmutzten Flusses versteckt, wie es sie hier überall gibt. Außerdem wird wahrscheinlich die vierspurige Straße in eine Sechspurige mit Hochstraße verbreitert und nebendran noch eine ewig lange Shoppingmall gesetzt.^^
Irgendwann bin ich dann in der Altstadt Shanghais ausgekommen. Diese besteht aus viele kleinen, engen, idyllischen Gassen, in denen Wäsche trocknet, und einem Gewusel aus Leuten. Es gab viele kleine Stände und Geschäfte, in denen man alles mögliche kaufen konnte, zum Beispiel Obst, Gemüse, gekochte Snacks, Getränke, Haushaltswaren... und ganz viele alte Leute saßen vor ihren Häusern und haben sich unterhalten. Ein Straßenzug war ein absolutes Billigeinkaufsparadies, mit Jeans und Schuhen für 7 Euro abwärts. Ich habe mir eine Tasche für 1,20 Euro gekauft.
Etwas weiter bin ich durch alte Wohngebiete gelaufen, in denen es kaum noch Verkaufsstände, dafür aber labyrinthartige, winzige Gassen (hatte mich tatsächlich eine Weile verlaufen und nicht mehr raus gefunden) und einen guten Blick in Wohnstuben, "Küchen" und "Bäder". Es gab vereinzelt ein paar schicke Plasmafernsehgeräte und Beamer, ansonsten war es sehr ärmlich. Viele Leute, vor allem ältere, saßen vor ihren Häusern und haben erzählt oder gekocht. Früher gab es in Shanghai sehr viele dieser schönen, traditionellen Viertel, doch in den letzten Jahren sind viele abgerissen worden und durch Hochhäuser und Wohntürme ersetzt worden...
Besonders lustig fand ich, dass in der Altstadt und in dem Wohnviertel einige Menschen nachmittags um vier in schicken, zweiteiligen Pyjamas herum liefen. Ab und zu sehe ich auch morgens im Carrefour Senioren in diesem Outfit, also scheint es hier wohl normal zu sein...
Dann bin ich in Richtung Wohnung aufgebrochen und bin bei der katholischen "Kathedrale" auf Empfehlung meines Reiseführers noch aus der Metro ausgestiegen. Die Kirche an sich war im Vergleich zu den berühmten Europäischen nicht so besonders. Umgeben von viel höheren Hochhäusern, von denen das Benachbate einen wahnsinnig kitschigen Tempelbau auf seinem Dach hatte, stellte sie jedoch ein äußerst paradoxes Bild dar.
Wie ihr seht habe ich heute viel erlebt und werde jetzt müde ins Bett fallen. Ich vermisse euch und das Aachener Kleinstadtleben!!
laurainchina - 27. Sep, 17:21
