Meine National Holidays
Die letzten Tage waren hier National Holidays und Mid-Autumn Festival, was vier arbeitsfreie Tage plus Wochenende bedeutet hat. Diese Tage nehmen viele Chinesen, wie beispieleweise einige Arbeitskollegen und meine Putzfrauen, zum Anlass Verwandte zu besuchen und zu verreisen. Auch in Shanghai war jede Menge "Landbevoelkerung" unterwegs, die man vor allem waehrend der langen Metrofahrten an verschiedenen Merkmalen leicht erkennen und beobachten konnte. Die Landbevoelkerung hat meistens staerkere Schlitzaugen als die Shanghaier, was besonders lustig aussieht, wenn sie muede sind und die Augen gerade mal 2mm aufhalten koennen. Desweiteren kleiden sich die Shanghaier recht modisch und schick, bis auf, dass die Schuhe meistens nicht zum restlichen Outfit passen. Die typische Kleidung der Landbevoelkerung sieht dagegen billiger und haesslicher aus, als sie in saemtlichen deutschen Kleiderdiscountern erhaeltlich ist, zudem passt sie meistens ueberhaupt nicht zusammen und beisst sich farblich. Besonders beliebt sind an allen Stellen ausgewaschene Jeans, dreckige Schuhe und Hosen und Langarmshirts in undefinierbaren Farben mit Glitzeraufdruck. Es war beeindruckend, wie schlecht man sich kleiden kann. Ausserdem beobachtet die Landbevoelkerung Laowais wie mich immer sehr interessiert in der Metro, vor allem, wenn diese so ungewoehnliche Sachen machen, wie in der Metro zu fruehstuecken...Wir hatten also beim Metrofahren genug Gespraechsthemen und es war sehr lustig, sich vor ihrer Nase ueber die Leute zu unterhalten, denn die wenigsten sprechen hier Deutsch.
Ich bin ueber die Tage wieder sehr viel unterwegs gewesen und habe viel gesehen. Es kam mir vor, wie ein Staedteurlaub. Patricia und ich haben mit ein paar Leuten, die wir im Studivz kennengelernt haben, stundenlange Wanderungen durch die Shanghaier Innenstadt gemacht. Da Shanghai so riesig ist und ganz verschiedene Viertel direkt nebeneinander liegen, ist das immer noch total spannend. Wir sind von einem sauberen Bankenviertel, mit riesigen, architektonisch besonderen Wolkenkratzern direkt in ein Altstadtviertel gelaufen mit kleinen, alten Haeusern, schmalen Gassen, vielen Strassenverkaeufern, und lauter Leuten, die im Schlafanzug herumliefen. Ein paar hundert Meter weiter, nachdem wir einfach mal quer ueber eine Baustelle gelaufen sind, kam dann ein Viertel im europaeischen Stil des 19ten Jahrhunderts, in dem das Strassenleben eine Mischung aus Bankenviertel und Altstadt ist. Dort hat auf einer kleinen Wiese neben einer kleinen Kirche eine Hochzeit statt gefunden. Die "Tuersteher" dort haben uns neugierige Laowais reingewunken, die Hochzeitsgesellschaft hat dann Fotos von uns mit ihren Kindern gemacht und wir haben zugeguckt, wie die Braut von ihren Brautjungfern betueddelt wurde. Dann sind wir in einem Pyjamageschaeft vorbeigekommen, in dem nur Leute im Pyjama eingekauft haben. Ploetzlich waren wir in einem ehemaligen Altstadtviertel, in dem lauter Szenekneipen und teuere westliche Restaurants waren und kurz darauf in der franzoesischen Konzession mit ihren europaeischen Kleinstadthaeusern und den vielen, kleine Obst und Getraenkelaeden. Und fast ueberall hat man durch die Strassenzuege einen Blick auf die modernen Wolkenkratzer.
Mir ist dieses Wochenende erst aufgefallen, dass viele Chinesen, vorzugsweise Strassenkehrer, Bauarbeiter (die arbeiten auch waehrend der National Holidays), Hotelportiers und Landbevoelkerung, ihre Pausen in der "Ausharrposition" verbringen. Das ist eine sehr freakige Hockhaltung, bei der die Fuesse auf dem Boden stehen, Ober-und Unterschenkel parallel sind und der Hintern knapp ueber dem Boden schwebt. Der Trick um nicht umzufallen ist die Beine breit aufzustellen. Es ist so lustig ueberall ausharrende Chinesen zu sehen, vor allem, wenn es mehrere nebeneinander sind, die wie die Huehner auf der Stange ausharren...
Am Montag haben wir einen Ausflug nach Chongming gemacht, die drittgroesste Insel Chinas, die in der Naehe von Shanghai im Yantse-Delta. Wir sind morgens extra frueh aufgebrochen und sind mit der Metro zum Hafen gefahren, um dann doch nur Karten fuer die Mittagsfaehre zu kriegen, weil die frueheren schon ausverkauft waren. In China kann man sowas halt nie planen... Haben uns dann am Hafen und am Yantsestrand umgesehen. Es war zwar ueberhaupt nicht schoen dort, doch die alten, rostigen Schiffe, das zubetonierte Ufer, das braune Wasser und der viele Muell waren doch irgendwie sehenswert. Da es (im Gegensatz zu Deutschland^^) hier immer noch sonnig und angenehm warm ist, haben wir uns auf das Sonnendeck der Faehre gefreut, das wir angesichts der Lichtscheue der Chinesen sicher fuer uns gehabt haetten. Aber natuerlich war das Oberdeck abgeschlossen und stattdessen mussten wir uns auf unsere nummerierten Plaetze im Faehrraum, der aehnlich wie ein Kino mit kleinen Fenstern aufgebaut war, nur dass es statt einer Leimwand einen kleinen Fernseher mit billigen chinesischen Sketchen in schlechter Qualitaet gab. Wie waren (fast) die einzigen Auslaender dort, denn die Insel ist eigentlich kein bekanntes Touristenziel. Daher wussten wir dort erstmal nicht, was wir machen sollten. Wie immer in solchen Situationen haben wir dann die kostenlose Shanghaier Service Hotline fuer Laowais angerufen, die eigentlich ein Uebersetzungsservice ist, einem aber auch sonst alle (dummen) Fragen beantwortet. Total praktisch! Auf deren Empfehlung sind wir in den Dongping National Forest Park gefahren. Dies ist ein ueberteuerter Wald- und Vergnuegungspark, der im groessten (allerdings nicht sehr grossen) kultivierten Wald Ostchinas liegt. Wir haben uns dort Tandems ausgeliehen und sind durch den Wald vorbei an den Vergnuegungsparkattraktionen gefahren. Die mit Abstand lustigste Attraktion war eine in einer Mulde liegende Wiese. Auf der waren zahlreiche Kinder und erwachsene Chinesen ausgestattet mit Skistoecken, Skischuhen, und Rollskiern (die sahen aus wie Panzerketten), die total unkoordiniert den Idiotenhuegel runterrollten und alle 2m fielen und wieder hochschravelten und dabei wieder fielen. War echt der Hammer, ich hab ein Video gemacht...
Letzten Samstag habe ich mich tagsueber mit meiner Kollegin Penny Ni (die meisten Chinesen hier im Unternehmen haben sich westliche Vornamen gegeben) getroffen. Penny arbeitet am Schreibtisch neben mir und ist ein halbes Jahr aelter als ich. Sie ist in ihren Leben einmal in Suzhou und einmal woanders hier in der Naehe gewesen und war sonst immer nur in Shanghai. Ihre Hobbies sind wie die fast aller Chinesen: Shopping, DVD, TV. Ich war also total gespannt sie zuhause zu besuchen und ihre Eltern kennen zu lernen. Wir haben uns an einer Metrostation in der Naehe der Arbeit getroffen und sind dann gute 20 min mit dem Bus in ein Dorf/Kleinstadt gefahren. Dort mussten wir einmal quer durch die Geschaeftsstrasse mit vielen kleinen Laeden (und einem Feuerwerk) und sind dann in eine Gasse abgebogen, wo ihr kleines, zweistoeckiges Haus war. Das Haus war sehr hell und sauber, nicht aermlich aber dennoch bis auf den Plasmafernseher einfach eingerichtet und wirkte von der Raumaufteilung etwas unstrukturiert. Die Eltern sprechen leider kein Englisch, haben aber einen sehr freundlichen Eindruck gemacht und uns lecker bekocht. Entgegen meiner Befuerchtungen gab es nicht etwas total Ekliges wie Huehnerfuesse oder Schweinsgesicht, sondern Maultaschen mit Gemuese und Hackfleischbaellchen. Pennys Eltern sind einfache Fabrikarbeiter. Sie ist jedoch zur Universitaet gegangen, hat jetzt einen gut bezahlten Job in einem westlichen Unternehmen und studiert neben der Arbeit noch! Im November hat sie ihre Eltern zu einer Reise ueber ein verlaengertes Wochenende nach Beijing eingeladen. Danach sind wir kurz in eine ueberfuellte Mall gefahren und dann habe ich ihr mein Apartment gezeigt, wir haben Schokofondue gemacht und einen Film geguckt, bis sie dann um 8 nach Hause musste. Es war ein schoener Tag; wir haben uns sehr gut unterhalten und viele Gemeinsamkeiten festgestellt, zum Beispiel bei den Ansichten unserer Eltern.
Ansonsten gab es in den letzten Tagen, vor allem zwischen dem ersten und dritten Oktober, wie schon erwaehnt, jede Menge Feuerwerke. Das laengste, was man von meiner Wohnung aus hoeren aber nicht sehen konnte, dauerte 2,5 Stunden! Jeden Morgen um 9 ging immer schon Boellerei los und hielt bis zehn Uhr abends an. Ich kam mir vor wie im Krieg...Gestern waren wir vor dem Century Park bei einem Feuerwerk (der Eintritt war uns zu ueberteuert). Es hat eine Stunde gedauert und war das spektakulaerste Feuerwerk, das ich je gesehen habe. Es waren wiedermal Menschenmassen, die zugeguckt haben.
Mein Eindruck von den Chinesen ist nach diesem langen Wochenende, dass viele echt seltsam sind und komsische Angewohnheiten haben, es aber auch einige gibt, die normal sind und dabei noch offener und freundlicher als die Deutschen.
Ich bin ueber die Tage wieder sehr viel unterwegs gewesen und habe viel gesehen. Es kam mir vor, wie ein Staedteurlaub. Patricia und ich haben mit ein paar Leuten, die wir im Studivz kennengelernt haben, stundenlange Wanderungen durch die Shanghaier Innenstadt gemacht. Da Shanghai so riesig ist und ganz verschiedene Viertel direkt nebeneinander liegen, ist das immer noch total spannend. Wir sind von einem sauberen Bankenviertel, mit riesigen, architektonisch besonderen Wolkenkratzern direkt in ein Altstadtviertel gelaufen mit kleinen, alten Haeusern, schmalen Gassen, vielen Strassenverkaeufern, und lauter Leuten, die im Schlafanzug herumliefen. Ein paar hundert Meter weiter, nachdem wir einfach mal quer ueber eine Baustelle gelaufen sind, kam dann ein Viertel im europaeischen Stil des 19ten Jahrhunderts, in dem das Strassenleben eine Mischung aus Bankenviertel und Altstadt ist. Dort hat auf einer kleinen Wiese neben einer kleinen Kirche eine Hochzeit statt gefunden. Die "Tuersteher" dort haben uns neugierige Laowais reingewunken, die Hochzeitsgesellschaft hat dann Fotos von uns mit ihren Kindern gemacht und wir haben zugeguckt, wie die Braut von ihren Brautjungfern betueddelt wurde. Dann sind wir in einem Pyjamageschaeft vorbeigekommen, in dem nur Leute im Pyjama eingekauft haben. Ploetzlich waren wir in einem ehemaligen Altstadtviertel, in dem lauter Szenekneipen und teuere westliche Restaurants waren und kurz darauf in der franzoesischen Konzession mit ihren europaeischen Kleinstadthaeusern und den vielen, kleine Obst und Getraenkelaeden. Und fast ueberall hat man durch die Strassenzuege einen Blick auf die modernen Wolkenkratzer.
Mir ist dieses Wochenende erst aufgefallen, dass viele Chinesen, vorzugsweise Strassenkehrer, Bauarbeiter (die arbeiten auch waehrend der National Holidays), Hotelportiers und Landbevoelkerung, ihre Pausen in der "Ausharrposition" verbringen. Das ist eine sehr freakige Hockhaltung, bei der die Fuesse auf dem Boden stehen, Ober-und Unterschenkel parallel sind und der Hintern knapp ueber dem Boden schwebt. Der Trick um nicht umzufallen ist die Beine breit aufzustellen. Es ist so lustig ueberall ausharrende Chinesen zu sehen, vor allem, wenn es mehrere nebeneinander sind, die wie die Huehner auf der Stange ausharren...
Am Montag haben wir einen Ausflug nach Chongming gemacht, die drittgroesste Insel Chinas, die in der Naehe von Shanghai im Yantse-Delta. Wir sind morgens extra frueh aufgebrochen und sind mit der Metro zum Hafen gefahren, um dann doch nur Karten fuer die Mittagsfaehre zu kriegen, weil die frueheren schon ausverkauft waren. In China kann man sowas halt nie planen... Haben uns dann am Hafen und am Yantsestrand umgesehen. Es war zwar ueberhaupt nicht schoen dort, doch die alten, rostigen Schiffe, das zubetonierte Ufer, das braune Wasser und der viele Muell waren doch irgendwie sehenswert. Da es (im Gegensatz zu Deutschland^^) hier immer noch sonnig und angenehm warm ist, haben wir uns auf das Sonnendeck der Faehre gefreut, das wir angesichts der Lichtscheue der Chinesen sicher fuer uns gehabt haetten. Aber natuerlich war das Oberdeck abgeschlossen und stattdessen mussten wir uns auf unsere nummerierten Plaetze im Faehrraum, der aehnlich wie ein Kino mit kleinen Fenstern aufgebaut war, nur dass es statt einer Leimwand einen kleinen Fernseher mit billigen chinesischen Sketchen in schlechter Qualitaet gab. Wie waren (fast) die einzigen Auslaender dort, denn die Insel ist eigentlich kein bekanntes Touristenziel. Daher wussten wir dort erstmal nicht, was wir machen sollten. Wie immer in solchen Situationen haben wir dann die kostenlose Shanghaier Service Hotline fuer Laowais angerufen, die eigentlich ein Uebersetzungsservice ist, einem aber auch sonst alle (dummen) Fragen beantwortet. Total praktisch! Auf deren Empfehlung sind wir in den Dongping National Forest Park gefahren. Dies ist ein ueberteuerter Wald- und Vergnuegungspark, der im groessten (allerdings nicht sehr grossen) kultivierten Wald Ostchinas liegt. Wir haben uns dort Tandems ausgeliehen und sind durch den Wald vorbei an den Vergnuegungsparkattraktionen gefahren. Die mit Abstand lustigste Attraktion war eine in einer Mulde liegende Wiese. Auf der waren zahlreiche Kinder und erwachsene Chinesen ausgestattet mit Skistoecken, Skischuhen, und Rollskiern (die sahen aus wie Panzerketten), die total unkoordiniert den Idiotenhuegel runterrollten und alle 2m fielen und wieder hochschravelten und dabei wieder fielen. War echt der Hammer, ich hab ein Video gemacht...
Letzten Samstag habe ich mich tagsueber mit meiner Kollegin Penny Ni (die meisten Chinesen hier im Unternehmen haben sich westliche Vornamen gegeben) getroffen. Penny arbeitet am Schreibtisch neben mir und ist ein halbes Jahr aelter als ich. Sie ist in ihren Leben einmal in Suzhou und einmal woanders hier in der Naehe gewesen und war sonst immer nur in Shanghai. Ihre Hobbies sind wie die fast aller Chinesen: Shopping, DVD, TV. Ich war also total gespannt sie zuhause zu besuchen und ihre Eltern kennen zu lernen. Wir haben uns an einer Metrostation in der Naehe der Arbeit getroffen und sind dann gute 20 min mit dem Bus in ein Dorf/Kleinstadt gefahren. Dort mussten wir einmal quer durch die Geschaeftsstrasse mit vielen kleinen Laeden (und einem Feuerwerk) und sind dann in eine Gasse abgebogen, wo ihr kleines, zweistoeckiges Haus war. Das Haus war sehr hell und sauber, nicht aermlich aber dennoch bis auf den Plasmafernseher einfach eingerichtet und wirkte von der Raumaufteilung etwas unstrukturiert. Die Eltern sprechen leider kein Englisch, haben aber einen sehr freundlichen Eindruck gemacht und uns lecker bekocht. Entgegen meiner Befuerchtungen gab es nicht etwas total Ekliges wie Huehnerfuesse oder Schweinsgesicht, sondern Maultaschen mit Gemuese und Hackfleischbaellchen. Pennys Eltern sind einfache Fabrikarbeiter. Sie ist jedoch zur Universitaet gegangen, hat jetzt einen gut bezahlten Job in einem westlichen Unternehmen und studiert neben der Arbeit noch! Im November hat sie ihre Eltern zu einer Reise ueber ein verlaengertes Wochenende nach Beijing eingeladen. Danach sind wir kurz in eine ueberfuellte Mall gefahren und dann habe ich ihr mein Apartment gezeigt, wir haben Schokofondue gemacht und einen Film geguckt, bis sie dann um 8 nach Hause musste. Es war ein schoener Tag; wir haben uns sehr gut unterhalten und viele Gemeinsamkeiten festgestellt, zum Beispiel bei den Ansichten unserer Eltern.
Ansonsten gab es in den letzten Tagen, vor allem zwischen dem ersten und dritten Oktober, wie schon erwaehnt, jede Menge Feuerwerke. Das laengste, was man von meiner Wohnung aus hoeren aber nicht sehen konnte, dauerte 2,5 Stunden! Jeden Morgen um 9 ging immer schon Boellerei los und hielt bis zehn Uhr abends an. Ich kam mir vor wie im Krieg...Gestern waren wir vor dem Century Park bei einem Feuerwerk (der Eintritt war uns zu ueberteuert). Es hat eine Stunde gedauert und war das spektakulaerste Feuerwerk, das ich je gesehen habe. Es waren wiedermal Menschenmassen, die zugeguckt haben.
Mein Eindruck von den Chinesen ist nach diesem langen Wochenende, dass viele echt seltsam sind und komsische Angewohnheiten haben, es aber auch einige gibt, die normal sind und dabei noch offener und freundlicher als die Deutschen.
laurainchina - 7. Okt, 08:27
