14
Sep
2009

Hash und Hangzhou

Ich hatte ein richtig cooles Wochenende:
Freitag Abend bin ich mit Patricia und Hanna aus Göteburg in der ziemlich exklusiven Vue Bar auf der Dachterasse des Hyatt Hotels gewesen. Von dort aus hatte man einen atemberaubenden Blick auf die berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Shanghai wie den Bund und den Pearl Tower und auf die kilometerweiten Wolkenkratzer...
Am Samstag habe ich an meiner ersten Hash teilgenommen! War total lustig... Man musste sich dafür übers Internet anmelden. Der Treffpunkt war Samstag mittags in der City. Hanna, Patricia und ich sind dann zusammen mit ca. 40 anderen Leuten (Britten, Australier, Amerikaner, ein paar Deutsche, Skandinavier und Chinesen; sehr gemischtes Alter) in einen Bus gestiegen, der uns zu einem unbekannten Ziel gebracht hat. Gelandet sind wir schließlich in einem Kuhkaff, ca. 1,5 Stunden außerhalb von Shanghai. Dort hatten die Organisatoren eine Art Schnitzeljagd vorbereitet. Es gab zwei Teilnahmevarianten, die Runners und die Walkers und wir haben uns natürlich für die sportlichere entschieden, die mit einer sehr ungewöhlichen Route verbunden war. Wir sind dann losgelaufen, quer durchs Feld - und mit quer durchs Feld meine ich quer durchs Feld - durch wucherndes Gestrüpp(meine Beine sind jetzt total zerkratzt), durch Gewächshäuser, über kleine, enge Erdwälle, die zwischen unter Wasser stehenden Reisfeldern und Bewässerungsgräben aufgeschüttet waren (es sind sogar Leute reingefallen^^). Zwischendurch hat man immer wieder Bauern gesehen, die mit einfachsten Geräten auf den Feldern gearbeitet haben. Traktoren und Landmaschinen habe ich dort nicht gesehen. Da Lebensmittel hier so günstig sind, kann es den Leuten also nicht gut gehen. Die meisten Bauern haben ihre Arbeit unterbrochen, als wir an ihnen vorbei liefen, und uns verdutzt angesehen. Viele standen auch neugierig vor ihren Häusern oder Hütten. Ihr Blick ähnelte dem, den meine Oma wahrscheinlich gehabt hätte, wenn vor 50 Jahren eine Horde Chinesen über ihre Felder in Heinsberg-Donselen gejoggt wäre. Und in der Tat fühlte man sich in den Dörfern, durch die wir auch gelaufen sind, in der Zeit zurückversetzt, bis in die 20er oder 30er Jahre! Es waren jedoch auch recht viele Roller dort unterwegs und in einigen Hütten haben Kinder Fernsehen geguckt.
Der Lauf dauerte etwa 1,5h mit kleineren Pausen, wenn nach dem Weg gesucht werden musste oder das Gelände sehr unwegsam war. Sonst war das Tempo recht anstrengend, da viele Männer mitgelaufen sind. Angekommen am Bus, der auf einem kleinen Marktplatz stand, ging es dann mit dem nächsten Teil der Hash weiter, dem Gelage^^ Der Bus hatte nämlich drei große Boxen Bier mitgenommen. In einem großen Kreis wurden verschiedene Personengruppen, z.B. Hasher, die sich blamiert hatten, die neu oder deutsch waren nach vorne gebeten und mussten darauf trinken, es wurden Geschichten und Witze erzählt und gesungen...das ganze war zwar nicht optimal direkt nach so einem Lauf und auch ziemlich flach, aber doch sehr unterhaltsam und lustig. Das fanden auch die mindestens 100 Dorfbewohner, die um uns herumstanden und uns beobachteten, vermutlich waren wir dort das Highlight des Monats!^^
Danach sind wir wieder zurück nach Shanghai gefahren und haben in einem traditionellen chinesischen Restaurant mit Maskentanzshow zu Abend gegessen. So eine Hash gibt es in vielen verschiedenen Ländern, jedoch leider (noch) nicht in der Gegend von Aachen.
Am Sonntag bin ich mit Patricia mit dem Zug in das beschauliche 6,6-Millionen-Einwohner-Örtchen Hangzhou (Zitat aus meinem Reiseführer) gefahren. In der Tat ist Hangzhou wesentlich beschaulicher als Shanghai, alles ist weniger eng, weniger hoch und weniger voll. In unmittelbarer Nähe zur Innenstadt gibt es dort einen großen See und rund herum Parkanlagen. In der chinesischen Literatur wird dieser Ort als "Himmel auf Erden" beschrieben und ist es dort wirklich sehr schön. Es gibt eine große Promenade um den See, der von seichten Hügeln umgeben ist, und naturbelassene Parkanlagen, in denen chinesische Pavillions, Tempel und Pagoden verstreut sind. Leider ist es - wie an den meisten touristischen Orten in China - ziemlich überlaufen. Wir haben uns dort (für nichtmal 20 Cent pro Stunde) Fahrräder geliehen, sind um den See geradelt und haben ganz oft gehalten, um Fotos zu machen. Abends sind wir dann wieder mit dem Zug zurück gefahren. Der Bahnhof dort ist recht eng gebaut und wir befanden uns auf einmal in einem nicht enden wollenden Menschenbandwurm zum Zug nach Shanghai. Dies erklärt, warum es hier, ähnlich wie am Flughafen, Warteräume gibt und man erst kurz vor Abfahrt den Bahnsteig betreten darf. Erstaunlicherweise haben die ca. 2000 Leute dann doch in den Zug gepasst und wenn auch einige stehen mussten, war doch noch genug Platz.
Jetzt ist es schon wieder so spät, ich gehe jetzt schlafen, gute Nacht!!
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Laura in China

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