20
Okt
2009

Die letzten Tage in Shanghai

Dieses Wochenende war leider mein letztes ganzes in Shanghai :-(
Freitag abend bin ich wiedermal lange feiern gewesen. Diesmal waren wir im Club Mao, wo es mir sehr gut gefallen hat, weil es dort kaum Chinesen gab ;-). Nicht, dass ich Chinesen nicht moegen wuerde (sonst waer ich ja nicht hier). Aber sie sind ja generell sehr gemuetlich und bewegen sich in ihrer Freizeit nicht gerne. Also sitzen die meisten in den Clubs hier total bonzig und dekadent in den massenweise vorhandenen Sofasitzecken und mampfen nett hergerichtete Haeppchen anstatt zu tanzen oder zu stehen. Entsprechend ist die Stimmung dort nicht sooo der Hit...
Samstag Nachmittag habe ich mich dann wieder mit meiner chinesischen Kollegin Penny getroffen. Sie ist ganz beeindruckt von der Energie, die Laowais wie ich haben, dass sie erstmal bis 4 Uhr feiern und dann sogar am naechsten Tag noch einigermassen fit etwas unternehmen koennen. Den meisten Chinesen, die ich und die anderen Expats so kennen, ist sowas viiieeel zu anstrengend... Penny wollte sich jedenfalls mit mir die "Kathedrale" ansehen, die ich hier schonmal erwaehnt habe. Ich hatte ihr erzaehlt, dass ich dort war und sie als echte christliche Shanghainesin war ganz ueberrascht, dass man dort einfach so reingehen darf. Also haben wir uns die Kirche angeschaut und sind dann weiter zum Shanghai Urban History and Development Museum. Es war sehr interessant zu sehen, dass die Stadt vor 20 Jahren noch ganz anders aussah. Damals gab es 4 Gebaeude, die hoeher als 100 Meter waren und heute gibt es ueber 4000...es gab ein aus riesiges Modell mit unglaublich vielen (schaetzungsweise 4000) Miniaturhochhaesern, das die wahnsinnigen Ausmasse der Shanghaier Innenstadt darstellt. Ausserdem wurden ganz viele Filme und Modelle der Expo Weltausstellung, die ab naechsten Mai in Shanghai stattfindet gezeigt. Dafuer ist einfach mal in bester Innenstadtlage am Huangpu-River ein riesiges Gelaende zur Verfuegung gestellt worden. Ich hatte schon etwas Angst mit Penny in dieses Museum zu gehen, weil so mancher Shanghainese beim Betrachten der Stadtplanung festgestellt hat, dass sein Wohnhaus in kuerze nicht mehr stehen wird. Zum Glueck ist es gut gegangen, denn Pennys Dorf liegt (noch) zu weit ausserhalb. Danach sind wir dann (original shanghainesisch) um halb 6 zu Abend essen gegangen. Es war ein sehr interessanter Nachmittag. Ich habe raus bekommen, dass sie doch einen Freund hat! Sie findet, dass er nicht so gut aussieht, dafuer aber sehr nett ist (und einigermassen wohlsituiert anscheinend ;-) ist hier um einiges wichtiger) Sie hat ihm bei einem vom Unternehmen organisierten Single-Treff kennen gelernt. Die beiden treffen sich oft am Wochenende nachmittags zum Picknicken, Filme gucken und Essen gehen. Im November fahren sie (auf seine Kosten) zusammen mit ihrer Mutter nach Beijing, Pennys erste Reise...
Sonntags habe ich mich mit meiner chinesischen Kollegin Ally und ihrer Freundin zum Karaoke singen (KTV) getroffen. Das war ein Erlebnis! Wir waren um 1 Uhr mittags an einer Metrostation verabredet ("weil es um die Zeit billiger ist"^^). Sind dann in ein Hochhaus gegangen, in dem es auf einer ganzen Etage nur KTV-Kabinen gab. Diese sind ca. 12 m² grosse Raeume, schwarz gestrichen und mit Ledercouch, Diskobeleuchtung, grossem Flachbildfernseher und einem Touchscreencomputer, auf dem man Lieder aussuchen kann, ausgestattet. Jede Kabine hatte zum Flur hin ein Guckloch und eine dreistellige Nummer, die man sich, wenn man zur Toilette geht, gut merken muss, da man sich sonst leicht im KTV-Kabinenlabyrinth verlaeuft. Die Auswahl an englischen Songs war gut, deutsche gab es leider nicht. Der Musikgeschmack der Chinesinnen hat mich nicht wirklich ueberzeugt. Die beiden haben sich fast nur kitschige Balladen und Schnulzen ausgesucht, wobei das Mikrofon ihre Stimmen unterstuetzt und das ganze sich dann so richtig "schoen" angehoert hat ;-) Es war aber trotzdem ein netter Nachmittag.
Abends sind wir dann zum Abschied meiner Mitbewohnerin Alicia etwas trinken gewesen.
Jetzt hat meine letzte Woche in Shanghai angefangen. Diese ist, weil es ja so viel gibt, was ich noch machen will, und vor meiner Reise auch noch einiges erledigen muss, schon so verplant, wie sonst mindestens zwei Wochen.
Gestern bin ich nach der Arbeit im oeffentlichen Schwimmbad schwimmen und danach mit ein paar anderen Praktikanten essen gewesen. Die meisten Chinesen haben nie schwimmen gelernt und mit 4,50 Euro Eintritt ist das wohl auch eher ein Luxussport. Das Schwimmbad war aber trotzdem sehr voll, ueberraschend (=normal) sauber, es herrschte Badekappenpflicht und der Verlauf der Schwimmbahn war genau festgelegt.
Naechsten Donnerstag bekomme ich dann noch Besuch (habe ja schliesslich wieder ein freies Gaestezimmer). Mein Kommilitone Chris (Tutor), der im Moment in Beijing studiert, kommt mit einem Kumpel fuer 3 Tage vorbei.
Freitag ist dann mein letzter Arbeitstag und danach gehe ich mit meinen Kollegen zum Abschied (auf Firmenkosten) essen. Ich habe Penny mal entscheiden lassen, wo ich hin will: Shanghainesisch natuerlich! Es wird sicher sehr traurig mich von ihnen verabschieden zu muessen, denn sie sind alle so nett, offen und suess und haben mich so gut aufgenommen...
Ich weiss nicht genau, wann ich es das naechste mal schaffe hier etwas zu schreiben. Am Sonntag Morgen geht ja meine Rucksacktour los und ich hoffe mal, dass es dort Internetzugaenge geben wird, so dass ich euch auf dem laufenden halten kann!

15
Okt
2009

Konsulatsfeier und meine Reiseroute

Dienstag Abend war ich ja im deutschen Konsulat auf der nachtraeglichen Feier zum Tag der deutschen Einheit. Es waren etwa 2000 grosse, kraeftige, zurecht gemachte Deutsche mit bunten Haarfarben (ein ungewohntes Bild) da. Die Feier hat auf einer grossen Wiese (hat mich ueberrascht, dass es sowas im zugebauten Shanghai noch gibt) neben dem Radissonhotel stattgefunden. Der Abend wurde von namhaften Konzernen gesponsert und das Buffet war spitze. Es gab Kassler, Sauerkraut, Brezel, Rahmgeschnetzeltes, Bratwuerste, Kartoffelbrei, Schinkenwurst, Hirtensalat, Apfelstrudel und richtiges Besteck!! Das ganze hat (nicht wie in anderen westlichen Restaurants) richtig gut geschmeckt und ich habe lange nicht mehr so saettigend gegessen. Ausserdem gabs Hofbraeuhausbier, guten deutschen Wein und einen riesigen Kuchen in Nationalfarben, der typisch chinesisch in gold, rot, schwarz aufgebaut war...Gestern hat Patricia ihren letzten Abend hier in Shanghai gehabt. Wir sind mit mehreren Leuten thailaendisch essen gegangen. Wird bestimmt langweilig ohne sie...

Aber wie schon erwaehnt bin ich ja auch nicht mehr lange in Shanghai, denn in gut einer Woche geht endlich meine grosse Rucksacktour los! Ich habe gerade etwas Zeit, also werde ich mal meine Route vorstellen, damit ihr bestens informiert seid, wo ich mich dann gerade aufhalte:
Am Sonntag, den 25. Oktober geht es frueh morgens mit Flugzeug und Zug ueber Guangzhou nach Hong Kong. Dort bin ich dann drei Naechte. Was ich in Hong Kong so mache, muss ich mir noch ueberlegen. Dann uebernachte ich einmal im benachbarten Macao. Bin sehr gespannt auf die Mischung aus Portugal, Las Vegas und China in dieser kleinen Enklave.
Donnerstags nachmittags geht dann mein dreistuendiger 35-Euro-Flug nach Bangkok (Thailand). Dort bin ich erstmal zwei Tage, von denen ich gerne an einem ins 70-km entfernte Ayutthaya fahren und mir dort die Ruinen des alten Koenigreichs anschauen will, von denen ich sehr schoene Fotos gesehen habe.
Dann faengt samstags Abend meine organisierte Suedthailandrundreise an. Ich musste diese buchen, damit sich meine Mama nicht so grosse Sorgen macht, wenn ich alleine durch Thailand reise ;-) Mittlerweile finde ich es aber auch angenehm, mich mal nicht um alles selber zu kuemmern und ewig suchen zu muessen. Ich habe mir einen kanadischen Reiseveranstalter ausgesucht, der einen recht jungen Eindruck macht und ich bin schon sooo gespannt auf die Leute...sonntags werden wir uns dann wieder Bankok anschauen und abends mit dem Nachtzug zum Khao Sok National Park fahren. Dort ist ein uralter Regenwald! Mittwochs fahren wir dann nach Ko Samui, dem Mallorca Asiens und donnerstags auf die kleine, paradisische Insel Ko Tao, die fuer ihre Tauchreviere bekannt ist. Samstags abends (8. November) gehts dann wieder mit dem Nachtzug zurueck nach Bangkok und sonntags abends fliege ich zurueck nach China, genauer in die 12-Millionen-Einwohner-Metropole Shenzhen.
Einen Tag spaeter fliege ich weiter nach Xian, das an der alten Seidenstrasse liegt. Es ist fuer seinen alten Stadtkern und die tausende lebensgrosse Krieger umfassende Terrakotta-Armee bekannt.
Mittwochs abends fahre ich dann mit dem Nachtzug nach Beijing (Peking). Dort gibt es jede Menge Sehenswuerdigkeiten, wie die verbotene Stadt und die chinesische Mauer. Einige Kommilitonen aus Aachen verbringen in Beijing ein Auslandsjahr und ausserdem ueberlegen im Moment gleich drei Bekannte aus Shanghai, denen ich von meiner Reise erzaehlt habe, ob sie sich anschliessen wollen (evt. auch schon in Xian).
Montags abends, am 16. November, geht's dann zurueck nach Shanghai. Natuerlich setze ich wieder auf den Nachtzug...dort werde ich dann meinen grossen Koffer mit dem vielen Kram, den ich mir hier gekauft habe, bei einer Kollegin abholen und spaet abends in Richtung Heimat aufbrechen.
Da der guenstigste Chinaflug ueber Dubai ging, habe ich es mir nicht nehmen lassen fuer diese Metropole noch ein paar Tage einzuplanen. Dort werde ich sicher wieder ausgiebig sightseen und am Stand relaxen, bis es dann samstags (21. november) endgueltig nach Hause ins kalte Deutschland geht...
Weil es nicht so mein Ding ist alleine in fremde Staedte zu fahren, ueber die ich nichts weiss, nichtmal eine Unterkunft habe und total aufgeschmissen waere, wenn etwas schief liefe, und damit sich keiner Sorgen machen braucht, habe ich mich in den letzten Wochen ueber die verschiedenen Orte informiert und mir Unterkuenfte und Reiseverbindungen rausgesucht. War bei so vielen Staedten ganz schoen viel Arbeit...
Ich kann es kaum erwarten, bis es los geht. Fuer ein paar Insidertipps, was ich an den verschiedenen Orten so machen koennte, waere ich uebrigens sehr dankbar!
Vermisse euch!!

13
Okt
2009

Zhouzhouang und Transrapid fahren...

Und schon wieder ist eine Woche rum, maaaan, geht das schnell...
Seit letzter Woche ist es etwas kuehler geworden, so schaetzungsweise 21 Grad tagsueber und 15 Grad nachts. Bei solch frischen Temperaturen habe ich mir natuerlich eine Erkaeltung eingefangen. Diese war aber nicht so schlimm, dass sie mich davon abgehalten haette etwas zu unternehmen (ausser abends...).
Am Samstag bin ich erstmal mit Patricia zum Stoffmarkt gefahren und habe die Klamotten anprobiert, die ich mir dort habe schneidern lassen. Letzte Woche waren wir schon einmal dort und haben richtig gut gehandelt, so dass ich fuer einen Hosenanzug mit Hose und Rock und 2 Blusen schlappe 66 Euro bezahle. Bis auf die Blusen sind die Sachen echt gut geworden. Ausserdem bin ich jetzt auch stolze Besitzerin einer massgeschneiderten Kaschmirjacke!
Danach haben wir das Must-Have-Done jedes deutschen Ingenieurs in Shanghai gemacht: eine Fahrt mit dem Transrapid, hier Maglev genannt! Der Transrapid faehrt ueber 30 km vom Stadtzentrum zum internationalen Flughafen Pudong. Die Anfangsstation liegt jedoch nicht sehr zentral und ein Returnticket ist mit 8 Euro im Vergleich zu den Shuttlebussen relativ teuer, weswegen der Transrapid unausgelastet ist und wir auf der Rueckfahrt ein ganzes Abteil fuer uns hatten. Im Prinzip ist Transrapidfahren wie Zugfahren, nur, dass man vor allem bei Fahrtbeginn leichte Schwingungen in vertikaler Richtung wahrnehmen kann. Die ersten 3-4 Minuten beschleunigt der Maglev bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 412 km/h! Bei dieser Geschwindigkeit wackelt das Abteil ganz schoen und man sieht die Umgebung unglaublich schnell vorbeisausen. Das Tempo wird eine Minute lang gehalten und dann bremst der Transrapid schon wieder langsam ab. 200km/h wirken dann total lahm. Nach weniger als 10 Minuten ist man dann schon am FLughafen angekommen.
Sonntags bin ich mit Patricia und Michael, der im gleichen Unternehmen wie ich ein Praktikum macht, nach Zhouzhuang gefahren, ein altes chinesisches Wasserdorf 1,5h mit dem Bus von Shanghai entfernt. Dort angekommen sind wir auf einem fast menschenleeren Gelaende mit vielen buddhistischen Tempeln ausgekommen. Das war wiedermal etwas ganz anderes, als wir erwartet haben und als es im Reisefuehrer stand, aber es war sehr idyllisch. Irgendwann haben wir den Tempelausgang gefunden und sind dann in dem erwarteten Dorf ausgekommen. Es gab einige Kanaele dort und drum herum gebaut schoene, alte Haeuser. Obwohl dort viele Leute gewohnt haben (meistens Ladenbesitzer) war es leider sehr touristisch und hat mich an einen Weihnachtsmarkt erinnert, da in jedem Haus ein Laden war, der Kunsthandwerk, Schmuck oder Suessigkeiten verkaufte. Die viele chinesischen Reisegruppen mit durch Megaphone erzaehlende Guides und bunten Kappen haben den Eindruck noch verstaerkt. In einigen Laeden gab es echte Perlen (zweiter Wahl) zu Spottpreisen, so dass ich mich gut damit eingedeckt habe ;-). Ansonsten sind wir dort etwas herumgelaufen, haben Fotos gemacht und ziemlich lange nach etwas deftigem zu essen gesucht, das nicht ein vollstaendiges Koerperteil oder ein komplettes Tier war...
Auf heute Abend freue ich mich schon. Das deutsche Konsulat richtet naemlich im Radisson Hotel einen Umtrunk fuer alle in Shanghai lebenden Landsleute aus (Abendgarderobe ist Pflicht) und Gratisgetraenke und Kanapees auf Staatskosten lasse ich mir natuerlich nicht entgehen ;-)
Ansonsten bin ich im Moment sehr beschaeftigt damit meine Reise, die in knapp zwei Wochen los geht zu planen. Ich reise 3,5 Wochen quer durch China, Thailand und Dubai!! Mehr dazu gibts demnaechst...

7
Okt
2009

Meine National Holidays

Die letzten Tage waren hier National Holidays und Mid-Autumn Festival, was vier arbeitsfreie Tage plus Wochenende bedeutet hat. Diese Tage nehmen viele Chinesen, wie beispieleweise einige Arbeitskollegen und meine Putzfrauen, zum Anlass Verwandte zu besuchen und zu verreisen. Auch in Shanghai war jede Menge "Landbevoelkerung" unterwegs, die man vor allem waehrend der langen Metrofahrten an verschiedenen Merkmalen leicht erkennen und beobachten konnte. Die Landbevoelkerung hat meistens staerkere Schlitzaugen als die Shanghaier, was besonders lustig aussieht, wenn sie muede sind und die Augen gerade mal 2mm aufhalten koennen. Desweiteren kleiden sich die Shanghaier recht modisch und schick, bis auf, dass die Schuhe meistens nicht zum restlichen Outfit passen. Die typische Kleidung der Landbevoelkerung sieht dagegen billiger und haesslicher aus, als sie in saemtlichen deutschen Kleiderdiscountern erhaeltlich ist, zudem passt sie meistens ueberhaupt nicht zusammen und beisst sich farblich. Besonders beliebt sind an allen Stellen ausgewaschene Jeans, dreckige Schuhe und Hosen und Langarmshirts in undefinierbaren Farben mit Glitzeraufdruck. Es war beeindruckend, wie schlecht man sich kleiden kann. Ausserdem beobachtet die Landbevoelkerung Laowais wie mich immer sehr interessiert in der Metro, vor allem, wenn diese so ungewoehnliche Sachen machen, wie in der Metro zu fruehstuecken...Wir hatten also beim Metrofahren genug Gespraechsthemen und es war sehr lustig, sich vor ihrer Nase ueber die Leute zu unterhalten, denn die wenigsten sprechen hier Deutsch.
Ich bin ueber die Tage wieder sehr viel unterwegs gewesen und habe viel gesehen. Es kam mir vor, wie ein Staedteurlaub. Patricia und ich haben mit ein paar Leuten, die wir im Studivz kennengelernt haben, stundenlange Wanderungen durch die Shanghaier Innenstadt gemacht. Da Shanghai so riesig ist und ganz verschiedene Viertel direkt nebeneinander liegen, ist das immer noch total spannend. Wir sind von einem sauberen Bankenviertel, mit riesigen, architektonisch besonderen Wolkenkratzern direkt in ein Altstadtviertel gelaufen mit kleinen, alten Haeusern, schmalen Gassen, vielen Strassenverkaeufern, und lauter Leuten, die im Schlafanzug herumliefen. Ein paar hundert Meter weiter, nachdem wir einfach mal quer ueber eine Baustelle gelaufen sind, kam dann ein Viertel im europaeischen Stil des 19ten Jahrhunderts, in dem das Strassenleben eine Mischung aus Bankenviertel und Altstadt ist. Dort hat auf einer kleinen Wiese neben einer kleinen Kirche eine Hochzeit statt gefunden. Die "Tuersteher" dort haben uns neugierige Laowais reingewunken, die Hochzeitsgesellschaft hat dann Fotos von uns mit ihren Kindern gemacht und wir haben zugeguckt, wie die Braut von ihren Brautjungfern betueddelt wurde. Dann sind wir in einem Pyjamageschaeft vorbeigekommen, in dem nur Leute im Pyjama eingekauft haben. Ploetzlich waren wir in einem ehemaligen Altstadtviertel, in dem lauter Szenekneipen und teuere westliche Restaurants waren und kurz darauf in der franzoesischen Konzession mit ihren europaeischen Kleinstadthaeusern und den vielen, kleine Obst und Getraenkelaeden. Und fast ueberall hat man durch die Strassenzuege einen Blick auf die modernen Wolkenkratzer.
Mir ist dieses Wochenende erst aufgefallen, dass viele Chinesen, vorzugsweise Strassenkehrer, Bauarbeiter (die arbeiten auch waehrend der National Holidays), Hotelportiers und Landbevoelkerung, ihre Pausen in der "Ausharrposition" verbringen. Das ist eine sehr freakige Hockhaltung, bei der die Fuesse auf dem Boden stehen, Ober-und Unterschenkel parallel sind und der Hintern knapp ueber dem Boden schwebt. Der Trick um nicht umzufallen ist die Beine breit aufzustellen. Es ist so lustig ueberall ausharrende Chinesen zu sehen, vor allem, wenn es mehrere nebeneinander sind, die wie die Huehner auf der Stange ausharren...
Am Montag haben wir einen Ausflug nach Chongming gemacht, die drittgroesste Insel Chinas, die in der Naehe von Shanghai im Yantse-Delta. Wir sind morgens extra frueh aufgebrochen und sind mit der Metro zum Hafen gefahren, um dann doch nur Karten fuer die Mittagsfaehre zu kriegen, weil die frueheren schon ausverkauft waren. In China kann man sowas halt nie planen... Haben uns dann am Hafen und am Yantsestrand umgesehen. Es war zwar ueberhaupt nicht schoen dort, doch die alten, rostigen Schiffe, das zubetonierte Ufer, das braune Wasser und der viele Muell waren doch irgendwie sehenswert. Da es (im Gegensatz zu Deutschland^^) hier immer noch sonnig und angenehm warm ist, haben wir uns auf das Sonnendeck der Faehre gefreut, das wir angesichts der Lichtscheue der Chinesen sicher fuer uns gehabt haetten. Aber natuerlich war das Oberdeck abgeschlossen und stattdessen mussten wir uns auf unsere nummerierten Plaetze im Faehrraum, der aehnlich wie ein Kino mit kleinen Fenstern aufgebaut war, nur dass es statt einer Leimwand einen kleinen Fernseher mit billigen chinesischen Sketchen in schlechter Qualitaet gab. Wie waren (fast) die einzigen Auslaender dort, denn die Insel ist eigentlich kein bekanntes Touristenziel. Daher wussten wir dort erstmal nicht, was wir machen sollten. Wie immer in solchen Situationen haben wir dann die kostenlose Shanghaier Service Hotline fuer Laowais angerufen, die eigentlich ein Uebersetzungsservice ist, einem aber auch sonst alle (dummen) Fragen beantwortet. Total praktisch! Auf deren Empfehlung sind wir in den Dongping National Forest Park gefahren. Dies ist ein ueberteuerter Wald- und Vergnuegungspark, der im groessten (allerdings nicht sehr grossen) kultivierten Wald Ostchinas liegt. Wir haben uns dort Tandems ausgeliehen und sind durch den Wald vorbei an den Vergnuegungsparkattraktionen gefahren. Die mit Abstand lustigste Attraktion war eine in einer Mulde liegende Wiese. Auf der waren zahlreiche Kinder und erwachsene Chinesen ausgestattet mit Skistoecken, Skischuhen, und Rollskiern (die sahen aus wie Panzerketten), die total unkoordiniert den Idiotenhuegel runterrollten und alle 2m fielen und wieder hochschravelten und dabei wieder fielen. War echt der Hammer, ich hab ein Video gemacht...
Letzten Samstag habe ich mich tagsueber mit meiner Kollegin Penny Ni (die meisten Chinesen hier im Unternehmen haben sich westliche Vornamen gegeben) getroffen. Penny arbeitet am Schreibtisch neben mir und ist ein halbes Jahr aelter als ich. Sie ist in ihren Leben einmal in Suzhou und einmal woanders hier in der Naehe gewesen und war sonst immer nur in Shanghai. Ihre Hobbies sind wie die fast aller Chinesen: Shopping, DVD, TV. Ich war also total gespannt sie zuhause zu besuchen und ihre Eltern kennen zu lernen. Wir haben uns an einer Metrostation in der Naehe der Arbeit getroffen und sind dann gute 20 min mit dem Bus in ein Dorf/Kleinstadt gefahren. Dort mussten wir einmal quer durch die Geschaeftsstrasse mit vielen kleinen Laeden (und einem Feuerwerk) und sind dann in eine Gasse abgebogen, wo ihr kleines, zweistoeckiges Haus war. Das Haus war sehr hell und sauber, nicht aermlich aber dennoch bis auf den Plasmafernseher einfach eingerichtet und wirkte von der Raumaufteilung etwas unstrukturiert. Die Eltern sprechen leider kein Englisch, haben aber einen sehr freundlichen Eindruck gemacht und uns lecker bekocht. Entgegen meiner Befuerchtungen gab es nicht etwas total Ekliges wie Huehnerfuesse oder Schweinsgesicht, sondern Maultaschen mit Gemuese und Hackfleischbaellchen. Pennys Eltern sind einfache Fabrikarbeiter. Sie ist jedoch zur Universitaet gegangen, hat jetzt einen gut bezahlten Job in einem westlichen Unternehmen und studiert neben der Arbeit noch! Im November hat sie ihre Eltern zu einer Reise ueber ein verlaengertes Wochenende nach Beijing eingeladen. Danach sind wir kurz in eine ueberfuellte Mall gefahren und dann habe ich ihr mein Apartment gezeigt, wir haben Schokofondue gemacht und einen Film geguckt, bis sie dann um 8 nach Hause musste. Es war ein schoener Tag; wir haben uns sehr gut unterhalten und viele Gemeinsamkeiten festgestellt, zum Beispiel bei den Ansichten unserer Eltern.
Ansonsten gab es in den letzten Tagen, vor allem zwischen dem ersten und dritten Oktober, wie schon erwaehnt, jede Menge Feuerwerke. Das laengste, was man von meiner Wohnung aus hoeren aber nicht sehen konnte, dauerte 2,5 Stunden! Jeden Morgen um 9 ging immer schon Boellerei los und hielt bis zehn Uhr abends an. Ich kam mir vor wie im Krieg...Gestern waren wir vor dem Century Park bei einem Feuerwerk (der Eintritt war uns zu ueberteuert). Es hat eine Stunde gedauert und war das spektakulaerste Feuerwerk, das ich je gesehen habe. Es waren wiedermal Menschenmassen, die zugeguckt haben.
Mein Eindruck von den Chinesen ist nach diesem langen Wochenende, dass viele echt seltsam sind und komsische Angewohnheiten haben, es aber auch einige gibt, die normal sind und dabei noch offener und freundlicher als die Deutschen.

30
Sep
2009

Noch mehr Einkaufserlebnisse

Wie versprochen bin ich an der morgentlichen Eiergeschichte dran geblieben und habe jetzt schon dreimal in den Weiten des Carrefours nach den einzeln verkaeuflichen Eiern gesucht, jedoch immer vergebens. Das Einkaufen im Carrefour stellt aber auch immer eine besondere Herausforderung dar, da im Abstand von maximal zwei Wochen saemtliche Regale umgeraeumt werden und ich andauernd die Sachen, die ich kaufen will, suchen muss... Ich vermute, dass es sich dabei um eine ABM fuer die jeweiligen Regalverkaufspersonen handelt, die sonst nur privat telefonieren oder sich mit ihren Kollegen unterhalten. Bei meiner morgentlichen Eiersuche sind sie mir bis jetzt noch nicht sehr hilfreich gewesen, da sie, nachdem ich ihnen in meinem Woerterbuch das Symbol fuer Ei gezeigt habe, alle in verschiedene Richtungen gedeutet haben und ich dort im Gegensatz zu den meisten anderen Supermarktkunden keine Eier gefunden habe...am Ausgang habe ich jedoch eine Reklametafel gesehen, auf der 500g Eier fuer 3,80 Yuan, also 38 Cent, angepriesen werden (ich weiss nur nicht genau, ob das das Angebot ist). Wenn man ein durchschnittliches Eiergewicht von 65g annimmt, kostet ein Ei also etwa 5 Cent.
Also fuer alle Rentner-Billiger-Nutzer: Wenn man davon ausgeht, dass Eier aus Kaefighaltung in Deutschland im Discounter das doppelte kosten (wenn nicht sogar mehr) und man einen guenstigen Flug nach China 500 Euro bezahlt, dann lohnt sich die Reise ab dem Kauf des 10 001ten Ei ;-)
Das Eierangebot scheint jedoch an Anziehungskraft verloren zu haben, da die Rentnerschwaerme kleiner geworden sind und das Abwiegen jetzt schneller geht.
Meine schwedische Freundin Hanna hat mir letztens empfohlen den IKEA in Shanghai zu besichtigen, also bin ich gestern nach der Arbeit mit Alicia dort hingefahren. IKEA Shanghai sieht ganz genau so aus wie IKEA Heerlen! Ich habe saemtliche Artikel, die ich jemals dort gekauft habe, wieder gesehen, was etwas Heimatliches hatte. Das, warum wir eigentlich gekommen waren, haben wir aber nicht gesehen: Chinesen, die in den IKEA-Ausstellungsbetten schlafen! Die Betten dort sahen jedoch auffaellig benutzt aus. Ausserdem scheint IKEA ein aeusserst verruchter Ort zu sein. Obwohl Zaertlichkeiten in der Oeffentlichkeit hier verpoent, wenn auch im Kommen, sind, sassen in den Ausstellungswohnraeumen jede Menge Paerchen, die wie zuhause gekuschelt haben.
Auf die kommenden Tage bin ich besonders gespannt. Ab morgen sind naemlich National Holidays, was 6 Tage Ferien bedeutet!! Da fast alle Chinesen diese Ferien haben, ist es fast unmoeglich oder unglaublich ueberteuert zu dieser Zeit irgendwohin zu fahren und Urlaub zu machen. Ich bleibe daher in Shanghai und schaue mir die beruechtigten Menschenmassen an, die die Innenstadt besuchen und sich durch die Malls draengeln. Geschaefte haben in dieser konsumfreudigen Stadt schliesslich JEDEN Tag geoeffnet.

27
Sep
2009

Wochenende in Shanghai

Jetzt ist die Woche schon wieder um. Und was habe ich so gemacht?
Vorherige Woche ist meine Mitbewohnerin Alicia gekommen. Sie ist 26 Jahre alt, mit ihrem Philosophiestudium fertig und hat gerade angefangen in Frankfurt zu promovieren. Alicia kommt jeden Sommer nach Shanghai, um ein paar Wochen im gleichen Unternehmen wie ich zu arbeiten. Sie kennt sich entsprechend in der Stadt aus und spricht sogar ein bisschen Chinesisch. Wir verstehen uns gut!
Seit sie da ist, unternehme ich noch mehr nach der Arbeit. Wir sind ein paar mal shoppen gefahren und auch einmal mit Patricia weg gewesen (nicht so lange weils unter der Woche war...). Die meisten Clubs hier sind sehr stylisch. Wir waren in einem, der oben in einem Wolkenkratzer war, und der eine Fensterfront hatte, durch die man beim Tanzen über die Shanghaier Skyline gucken konnte. Sehr cool ist, dass es hier an verschiedenen Wochentagen für Mädels Gratiscocktails und freien Eintritt in vielen Clubs gibt, ich also inklusive 15 km Taxinachtfahrt keine 3 Euro bezahlt habe :-)
Dieses Wochenende bin ich mal nicht in eine benachbarte Millionenstadt gefahren, sondern (fast) nur in Shanghai geblieben. Es war auch etwas ruhiger, wahrscheinlich, weil Patricia nicht da war ;-)
Freitag Abend war ich nach der Arbeit mit meinen Kollegen Tennis spielen und dann waren wir Koreanisch essen. Das habe ich vorher noch nie probiert, ich fand es aber auch nicht so toll,denn es gab nur süße Kürbissuppe und fettiges Fleisch, das vor unseren Augen gebraten wurde und das man zusammen mit muffigen Soßen in Salatblätter eingewickelt hat.
Am Samstag bin ich wieder mit Hanna hashen gegangen, ein Riesenspaß!! Der Bus hat uns wieder aufs Land in ein Kaff gebracht. Gehalten haben wir gegenüber von einer Metallwerkstatt, in der Gehäuse zusammengeschweißt wurden. Dort wurden so ziemlich gegen alle Standards zur Sicherstellung einer effektiven und effizienten Produktion verstoßen, die ich kenne (und das sind viele). Der viele Dreck, die chaotischen Lagerhaltung und die minimale Sicherheitsausrüstung des Schweißer in Form einer kaputten Schweißmaske haben mich schon beeindruckt und ich sehe dort einen potentiellen Job ;-)^^
Wir sind dann losgelaufen. Die Route ging wieder mitten durch matschige Reisfelder, eng an Zuchtfischteichen und an armseligen Wohnhütten auf Gemüsefeldern vorbei und über die Hinterhöfe der Bauerndörfer. Wir hatten auch wieder sehr viele Zuschauer. Diesmal waren ein paar sehr gute Läufer dabei und das Wetter war sehr schwül und warm, so dass ich irgendwann nicht mehr mitgekommen bin und für den Rest die Walkerroute genommen habe. Ich habe mich sehr geärgert, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, um Fotos zu machen...
Danach wurde dann wieder was getrunken (mitten auf der "Ortsausgangsstraße"...) und wir sind in Shanghai etwas essen gefahren.
Heute (Sonntag) habe ich mir einige in meinem Reiseführer als Highlights beschriebenen Orte in Shanghai angesehen. Ich war im Shanghai Museum, in dem Tongefäße und andere Kunstgegenstände nach Material und Epoche sortiert ausgestellt waren. Dort wimmelte es (an einem Sonntag!) von Schulkindern und europäischen Touristen...das Museum war ok, vor allem, da es keinen Eintritt gekostet hat, aber man muss es nicht unbedingt gesehen haben. Interessanterweise habe ich mich dort zufällig mit ein paar australischen Rentnern unterhalten, die zwei Lehrer von meiner australischen Schule damals kennen, an die ich mich noch dunkel erinnern kann; wie klein die Welt doch ist...
Dann bin ich zum berühmten Bund gefahren. Im Moment wird an vielen Stellen in Shanghai gebaut, um die Stadt für die Weltausstellung im Mai 2010 aufzupolieren und so ist es auch am Bund. Es gibt dort eine Straße mit Kolonialbauten, die so auch in London oder Paris stehen könnten und in denen alle möglichen Banken ihre Nierderlassungen haben. Auf der anderen Straßenseite war das Ufer des Huangpu-Flusses wegen der Bauarbeiten verdeckt. Ich hab mich gefragt, was dort gebaut wird und würde auf eine hohe Mauer tippen, die das Ufer des dreckigen, stinkenden, verschmutzten Flusses versteckt, wie es sie hier überall gibt. Außerdem wird wahrscheinlich die vierspurige Straße in eine Sechspurige mit Hochstraße verbreitert und nebendran noch eine ewig lange Shoppingmall gesetzt.^^
Irgendwann bin ich dann in der Altstadt Shanghais ausgekommen. Diese besteht aus viele kleinen, engen, idyllischen Gassen, in denen Wäsche trocknet, und einem Gewusel aus Leuten. Es gab viele kleine Stände und Geschäfte, in denen man alles mögliche kaufen konnte, zum Beispiel Obst, Gemüse, gekochte Snacks, Getränke, Haushaltswaren... und ganz viele alte Leute saßen vor ihren Häusern und haben sich unterhalten. Ein Straßenzug war ein absolutes Billigeinkaufsparadies, mit Jeans und Schuhen für 7 Euro abwärts. Ich habe mir eine Tasche für 1,20 Euro gekauft.
Etwas weiter bin ich durch alte Wohngebiete gelaufen, in denen es kaum noch Verkaufsstände, dafür aber labyrinthartige, winzige Gassen (hatte mich tatsächlich eine Weile verlaufen und nicht mehr raus gefunden) und einen guten Blick in Wohnstuben, "Küchen" und "Bäder". Es gab vereinzelt ein paar schicke Plasmafernsehgeräte und Beamer, ansonsten war es sehr ärmlich. Viele Leute, vor allem ältere, saßen vor ihren Häusern und haben erzählt oder gekocht. Früher gab es in Shanghai sehr viele dieser schönen, traditionellen Viertel, doch in den letzten Jahren sind viele abgerissen worden und durch Hochhäuser und Wohntürme ersetzt worden...
Besonders lustig fand ich, dass in der Altstadt und in dem Wohnviertel einige Menschen nachmittags um vier in schicken, zweiteiligen Pyjamas herum liefen. Ab und zu sehe ich auch morgens im Carrefour Senioren in diesem Outfit, also scheint es hier wohl normal zu sein...
Dann bin ich in Richtung Wohnung aufgebrochen und bin bei der katholischen "Kathedrale" auf Empfehlung meines Reiseführers noch aus der Metro ausgestiegen. Die Kirche an sich war im Vergleich zu den berühmten Europäischen nicht so besonders. Umgeben von viel höheren Hochhäusern, von denen das Benachbate einen wahnsinnig kitschigen Tempelbau auf seinem Dach hatte, stellte sie jedoch ein äußerst paradoxes Bild dar.
Wie ihr seht habe ich heute viel erlebt und werde jetzt müde ins Bett fallen. Ich vermisse euch und das Aachener Kleinstadtleben!!

22
Sep
2009

Eier im Angebot

Ich muss auf jeden Fall hier noch erwähnen, dass ich sehr beeindruckt bin, wie schnell die Website www.rentner-billiger.de meinen Blog, der die günstigen Eier morgens im chinesischen Carrefour erwähnt, gefunden und verlinkt hat. Der moderne Rentner weiß jetzt also genau, wo die Eier am günstigsten sind! Ich werde demnächste mal die Preise recherchieren und vorrechnen, wie viel man mit dem Eierkauf hier sparen kann ;-)

Wochenendtrip nach Suzhou

Letztes Wochenende war wieder sehr cool. Diesmal bin ich mit Patricia nach Suzhou gefahren. Das ist eine 2-Millionen Einwohnerstadt eine gute halbe Stunde mit dem Zug von Shanghai entfernt.
Dort sind wir eine Nacht geblieben. Unsere Unterkunft hat uns insgesamt 26€ gekostet. Dabei hat es sich aber nicht um ein schaebiges, abgelegenes Jugendherbergszimmer gehandelt, sondern um ein solides vier Sterne Hotelzimmer inklusive Fruehstuecksbuffet in einem zentralen, schoenen Stadtviertel! Da hab ich mal wieder gut im Internet recherchiert ;-)(HRS!)
Suzhou ist vor allem fuer seine etwa 10 ueber die Stadt verteilten Gaerten bekannt, die auch zum Weltkulturerbe gehoeren. Dies sind nicht etwa grosszuegig und prachtvoll angelegte Parkanlagen, wie es der Name erwarten laesst, sondern im klassischen chinesischen Stil erbaute, nebeneinander gesetzte luftige Pavillons und Zimmer einer Wohn-/Freizeitanlage, die durch kleine Hoefe und Gaenge miteinander verbunden sind, die von Baeumen, Straeuchern, Felsen und Teichen gesaeumt sind. Diese kann man fuer einen relativ hohen Eintritt besichtigen. Das ganze hat mich sehr an die Besichtigung eines europaeischen Schlosses erinnert. Eigentlich war es schoen mal etwas traditionell Chinesisches zu sehen, was es in Shanghai ja fast nicht mehr gibt. Jedoch waren diese Gaerten so dermassen von Touristen ueberlaufen, dass jegliches Idyll verloren ging und wir uns nur zwei Gaerten angesehen haben.
Suzhou ist ausserdem fuer seine vielen Kanaele und Wasserstrassen beruehmt und wird auch als "Venedig des Ostens" bezeichnet. Also haben wir uns einen Kahn mit singendem Gondoliere gemietet und sind durch die idylischen Wasserstrassen gefahren, vorbei an alten chinesischen Haeuschen, vor denen die Bewohner gesellig gesessen oder im Kanal ihre Waesche gewaschen haben...Das war viel schoener und kaum teurer als die Besichtigung eines weiteren ueberfuellten Gartens...
Unser absolutes Highlight in Suzhou waere wahrscheinlich der Albtraum fast jedes Mannes gewesen. Von einer Kollegin habe ich den Tipp bekommen, dass Suzhou fuer seine Hochzeits- und Abendkleider in Shanghai und weit ueber die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Es gibt dort ein ganzes Stadtviertel mit ausschliesslich Schneidereien und kleinen Braut- und Abendmodegeschaeften. Und wir sind natuerlich ausgiebig durch dieses Viertel gebummelt. Es war absolut sehenswert, wie sich die Kleider gegenseitig an Prunk und Kitsch uebertrafen. Alle waren sie uebersaeht von Rueschen, Spitze, Glitzer, Riesenschleifen und anderen Dekoelementen. Die Kleider gab es in gold, pink oder knallbunt, teils mit wahnsinnigen Reifroecken und Puffaermeln...es war einfach nur pervers!
Ich hatte aber auch gehoert, dass es durchaus erschwinglich ist und schnell geht, sich dort ein Kleid anfertigen zu lassen, und so etwas wollte ich ja schon immer mal machen! Also haben wir erstmal eine Weile nach einem Laden gesucht, in dem eine Verkaeuferin ein bisschen Englisch sprach und uns die Schnitte der Ausstellungskleider einigermassen zusagten. Wir haben dort tatsaechlich beide ein Kleid gefunden, dass uns gefiel und beschlossen, dass wir es bei einem Preis von 17,50€ doch riskieren koennten uns diese anfertigen zu lassen. Die Verkaeuferinnen waren schon etwas verwundert, dass wir uns von den Modellkleidern saemtliche huebschen Dekoelemente, wie Perlen, Rueschen und Schleifen weggewuenscht haben und statt des romantischen Rosas ein dezentes Schwarz haben wollten. Patricia hat sich ein kurzes Ballkleid mit Spaghettitraegern ausgesucht und ich habe ein fast knielanges Kleid mit einer oberen Tuelllage, die an der Brust und ueber den Schultern in engen Falten genaeht ist, bestellt.
Sonntag mittags sind wir dann wieder zu dem Laden gefahren, voller Spannung, was ueber Nacht fuer uns gefertigt worden war. Ich musste mein Kleid noch drei mal aendern lassen, bis es in der Laenge und im Abschluss meinen Vorstellungen entsprach. Dies wurde sofort in der Naeherei ueber dem Geschaeft gemacht und hat jeweils nur 10 min gedauert. Beim vierten Anprobieren war es dann perfekt! Schlicht, elegant und viel schoener, als ich es mir vorher vorgestellt habe, dazu passt es wie angegossen und an der Qualitaet habe ich auch nichts auszusetzen... :-D Auch Patricias Kleid ist sehr schoen geworden. Eine Reise in ein Billiglohnland hat definitiv ihre Vorzuege :-) Morgen werde ich es zur Arbeit anziehen und meinen neugierigen Kolleginnen vorfuehren.

18
Sep
2009

Foto-Shooting

Weil mich jetzt schon mehrere auf mein neues Studivz-Bild angesprochen haben, erzähl ich doch noch die Geschichte dazu:
Als ich am Sonntag mit Patricia in Hangzhou war, sind wir durch die Parkanlagen dort spaziert und an einer Gruppe sehr professionell wirkender Fotografen vorbei gekommen, die ein Modell im Abendkleid geknippst haben. Wir vermuten, dass das ein Fotoclub oder sowas war. Ganz spontan haben die ihr Modell dann beiseite gestellt und gefragt, ob sie uns Laowais fotografieren dürften. Leider stand vor allem ich sehr gammelig drauf, aber ok. War ne coole, wenn auch sehr ungewohnte Sache, so professionell vor sieben Fotografen zu posieren; ich wusste gar nicht, wie ich das machen sollte^^ Nach dem Shooting hab ich dann meine hier angefertigten Visitenkarten verteilt (beim Weggehen letztens habe ich andere deutsche Praktikanten kennengelernt, die mir ihre Karte gegeben haben, was ich so praktisch und cool fand, dass ich mir auch habe welche machen lassen). Gestern kam dann tatsächlich eine Email mit unseren professionellen Fotos!! Ist etwas schade, dass ich mich vorher so wenig zurecht gemacht habe, sonst wären sie noch besser, aber sowas weiß man vorher ja nicht...

Der taegliche Wahnsinn

Erst einmal kann ich berichten, dass ich das Raetsel um die Rentnerschwaerme morgens im Carrefour geloest habe: Es gibt dort zwischen 7 und 8 Uhr Eier zu reduzierten Preisen! Das erklaert natuerlich, warum dort so viele Rentner nur Plastiktueten voller Eier kaufen und warum man sich beeilen und so draengeln muss ;-)
Jetzt werde ich endlich mal ueber den Wahnsinn schreiben, der sich hier morgens, mittags und abends, also zur permanenten Rush Hour, auf den Strassen abspielt. Bestes Beispiel ist die Humin Road, an der ich wohne. Die Strasse ist 6-spurig plus 2 Spuren fuer Fahrraeder und Mopeds, die aber ab und zu als Ausweich- und Ueberholspuren genutzt werden, so dass Fahrraeder und Mopeds dann teils ueber den Buergersteig fahren. Dadrueber befindet sich eine 4 spurige Hochstrasse. Ein paar hundert Meter weiter gibt es sogar noch eine dritte Strassenebene, die auch vierspurig ist. Man sollte ja denken, dass so viele Strassenspuren und die parallel laufende Metrolinie in einem Vorort fuer einen fluessigen Verkehr genuegen muessten, aber der Verkehr ist stets zaeh fliessend und mein Shuttlebus zur Arbeit braucht fuer genau dieses Stueck immer am laengsten. Letzte Woche habe ich morgens den Bus knapp verpasst, weil im Carrefour so viel los war und an der Kasse saemtliche Rentner, die vor mir standen, ihre Eier mit Kreditkarte bezahlt haben. Ich bin dann mit Metro und Taxi zum Unternehmen gefahren (insgesamt hat mich das 1,50€ gekostet) und ich war eine Viertelstunde eher da. Mein Glueck war, dass ich zum Arbeiten aus der Innenstadt hinaus muss und nicht wie Millionen (!) andere in die Innenstadt hinein. Obwohl die Metros fast im Minutentakt fuhren und sehr grossraeumig mit wenigen Sitzen gebaut sind, waren die Zuege total ueberfuellt und es gab vor den Tueren lange Schlangen. Und das spielt sich dort jeden Morgen ab...
Nun wieder zurueck zur Humin Road. Direkt neben der Mall ist eine T-Kreuzung mit einer "kleinen" Seitenstrasse, die ich immer ueberquere. Dort gibt es zwei moegliche Verkehrskonstellationen: Entweder es ist relativ leer und die Autos und Roller hupen und brettern dort vorbei ohne Ruecksicht auf Ampelfarben, Fussgaenger oder Vorfahrt. Dabei passen sie schon auf, dass keine Unfaelle passierten, aber gebremst wird erst im letzten Moment.
Oder es ist recht voll (genau an dieser Stelle befindet sich der Ausgang des Mall-Parkplatzes). Dann stehen Taxis mitten auf der Strasse und lassen Fahrgaeste ein- oder aussteigen, Autos wenden mitten auf der Kreuzung oder halten (ueblicherweise mit laufendem Motor) um schnell etwas wie Geld abheben zu erledigen. Dies fuehrt dazu, dass die Autos an der Kreuzung total verkeilt da stehen, man selbst als Fussgaenger schwer vorbeikommt und es erstmal eine Weile dauert, eh sich das aufgeloest.
Seit letzter Woche sind an dieser T-Kreuzung tagsueber zwischen drei und sechs "Traffic Assistants" stationiert, wahlweise in Pfadfinderuniform mit Tropenhut oder mit roter Weste und rotem Faehnchen ausgestattet. Diese sollen das Chaos dort in Grenzen halten und sorgen dafuer, dass die Fussgaenger nur noch bei gruen ueber die sonst nicht beachtete Ampel gehen und die Taxis, anstatt total im Weg zu stehen, am Rand halten. Dass Autos und vor allem Roller trotzdem bei rot ueber die Kreuzung rasen, haben die Traffic Assistants noch nicht so gut im Griff...also werde ich weiterhin die Augen an dieser Kreuzung sehr weit offen halten!
Dann wuensche ich euch ein schoenes Wochenende! Ich werde nach Suzhou, eine Stadt mit vielen beruehmten Gaerten, fahren und demnaechst darueber schreiben...
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